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Geschichte der Hauptfremdsprache (Deutsch), 3. Jahr, Fachgebiet | Content-Plattform

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Die Geschichte der deutschen Sprache ist ein Teil der Germanistik. Sie erforscht und beschreibt aus diachronischer Sicht das phonologische System, den grammatischen Bau, den Wortschatz und das System der Stile der deutschen Sprache. Ihr Forschungsgebiet sind einerseits die konstanten Charakteristiken des Sprachsystems, andererseits die Dynamik und die Haupttendenzen der Sprachveränderung. Gegenstand der Sprachgeschichte sind außerdem die Existenzformen der deutschen Sprache, ihr sozialhistorisch bedingter Wandel und das Werden der modernen deutschen Nationalsprache. Sprachgeschichte ist auch die Geschichte der Wörter und damit auch kulturellen Entwicklung. Das Entstehen und Verschwinden der Wörter spiegelt immer die Zeit, die Sitten, und Gebräuche, die geistigen Strömungen, die Veränderungen der Lebensbedingungen und den Wandel der gesellschaftlichen Struktur wider. Die Sprache ist auch ein Spiegel der Sprachträger, der Menschen, die sie gestern gesprochen haben und heute sprechen. Unsere Hauptaufgabe ist die Betrachtung der Entwicklung der Sprache im engen Zusammenhang mit der Entwicklung des deutschen Volkes und der Geschichte. Der Begriff Sprachwandel bezeichnet die Tatsache, dass sich Sprachen in einem Wandel, einer Entwicklung befinden. Was wissen wir über die komplizierten Gründe sprachlicher Neuerungen. Die Ursachen können innersprachlicher Art sein: Andererseits spielen auch außersprachliche Ursachen eine Rolle. Die Sprache ist eine soziale Erscheinung, in der sich politische, soziale, wirtschaftliche, technische und geistesgeschichtliche Verhältnisse und Veränderungen widerspiegeln. Dies gilt vor allem für den Wortschatz. Permanent kommen neue Wörter (Neologismen) zu einer Sprache hinzu; dies resultiert unter anderem aus der Notwendigkeit, neue Dinge zu bezeichnen. Auch im Bereich der Grammatik ändert sich vieles. In den germanischen Sprachen läßt sich von ältester Zeit bis heute die Entwicklung von einem stark synthetischen zu einem analytischeren Sprachbau verfolgen: Das Ahd. (Deutsch von ca. 770 bis ca. 1050) verfügt noch über ein reiches Endungssystem. Heute stehen uns umschreibende Funktionswörter zur Verfügung. Durch Lautwandel verändern sich Sprachen langfristig. Lautwandel bedeutet, daß sich die äußere Form eines Wortes ändert. Die Ursachen des Lautwandels sind noch nicht ganz geklärt. Sprachökonomie und Bequemlichkeit sowie soziale und politische Faktoren wie Mode, Prestige, Völkermischung und Sprachkontakt spielen jedoch eine große Rolle. Wichtig für die lautliche Entwicklung der germanischen Sprachen ist der Akzentwandel, der durch verstärkten Atemdruck auf die erste Silbe z. B. zu Kürzung und Schwund von Endsilben und Vokalschwächung führte. Manchmal bewirkt eine Lautveränderung also eine andere. Sie kann aber auch lexikalische, morphologische und syntaktische Veränderungen verursachen. Neben diesem Sprachwandel von innen heraus gibt es aber auch noch den Sprachkontakt. Kulturelle, wirtschaftliche und politische Beziehungen zwischen Sprachgemeinschaften sind die Regel. Der Sprachkontakt führt nahezu zwangsläufig zu Neuerungen in den betroffenen Sprachen. Alle diese Erscheinungen und Veränderungen sind Aspekte des Sprachwandels. Die Betrachtung der Sprachgeschichte ist immer die Betrachtung des Sprachwandels, da er die Grundbedingung für eine Sprachgeschichte ist. Nach neueren soziopragmatischen Theorien des Sprachwandels (Peter von Polenz) erklärt man die Veränderungen von Sprache vor allem aus folgenden Faktoren: 1. Wandel des Sprachkörpers, d. h. Wandlungen im phonologischen System, im Formenbestand in der Wortbildung und Wortschatz. 2. Wandel in der Existenzform der Sprache. Hier ist es wichtig in welcher Form die Sprache existiert, ob sie in gesprochener Form existiert oder auch ein Schrifttum besitzt. Außerdem gibt es verschiedene außersprachliche Kriterien (literarische bzw. kulturelle Epochen, Ereignisse) dazu. Wir halten uns hier an folgende grobe Gliederung, die im Wesentlichen mit der Periodisierung von J. Grimm übereinstimmt: Der Terminus �Indogermanisch� ist eine Sprachbezeichnung: Damit wird eine Gruppe von Sprachen bezeichnet, die miteinander verwandt sind. Die Verwandtschaft kann vor allem anhand von flexionsmorphologischen und lexikalischen Phänomenen festgestellt werden. Diesen Sprachzusammenhang haben Sir William Jones (1786) und Franz Bopp (1816) entdeckt. das �Ur-Indogermanische�. Diese kann mit der Methode des Spachenvergleichs und der Rekonstruktion erschlossen werden. Die aussagemächtigsten Übereinstimmungen (vgl. Hettrich 2006) betreffen das Flexionssystem, also Deklination und Konjugation sowie ein bestimmter Grundwortschatz, zu dem man Verwandtschafts – und Körperteilbezeichnungen sowie Ausdrücke für elementare Indogermanischen zum Germanischen. Die ältesten Germanischen Zeugnisse sind durch römische Autoren überliefert (Cäsar, Tacitus, Plinius d. Ä. ). Wörter, die sie wiedergeben, zeigen einen Sprachzustand, der als Gemeingermanisch (auch: Urgermanisch) bezeichnet wird. Also, alle Germanen hatten eine gemeinsame Sprache; eine Auseinanderentwicklung mußte demnach erst später stattfinden. Traditionell wird als ursprüngliches Zentrum der Germanen das Gebiet des heutigen Dänemark sowie Südschweden und Norddeutschland angenommen. Von hier aus hätten sich die Germanen seit etwa Mitte/Ende des 2. Jahrtausends vor Christus vor allem nach Süden und Südosten ausgebreitet. Die Ausbreitung der germanischen Stämme nach Süden begann im I. Jh. n. Diese Ausbreitung geschah wegen der wachsenden Bevölkerungsstärke und Klimaverschlechterung. Aus den Sprachen der skandinavischen (nordgermanischen) Stämme entwickelten sich später Norwegisch, Dänisch, Schwedisch u. a. Aus den Sprachen der ostgermanischen Stämme entwickelten sich später Gotisch, Burgundisch und Vandalisch. Aus den Sprachen der westgermanischen Stämme entwickelten sich später Deutsch, Englisch, Niederländisch u. a. Die Stammessprachen der Alemannen, Bayern, Franken, Thüringer und Hessen bildeten später die Grundlagen der althochdeutschen Sprache. Die Entwicklung des Germanischen Volkstums und auch damit der heutigen germanischen Sprachen begann im 3. v. u. Z. Die germanischen Stämme leben in dieser Zeit zwischen Elbe und Oder, um die westliche Ostsee, im Südskandinavien und im Jütland. Im 1. Jh vor unserer Zeit hat sich hier ein besonderer Sprachtyp herausgebildet, das so genannte Gemeingermanisch. Zu den wichtigsten Neuerungen der germanischen Sprachen gehört die Entwicklung des germanischen Wortschatzes. Diese Wörter bezeichnen jene Begriffe, die das Leben der Urgermanen in ihren neuen Wohnsitzen widerspiegeln. Das Germanisch erbte vom Indoeuropäischen die wichtigsten Charakterzüge der morphologischen Struktur. Das Substantiv besaß im Indoeuropäischen die grammatischen Kategorien des Genus, des Numerus und des Kasus. Die Struktur des Wortes bestand im Indoeuropäischen aus 3 Morphemen. Das Gemeingermanisch besaß dieselben grammatischen Kategorien und dieselbe Struktur des Wortes. Zu den Neuerungen gehört die starke und die schwache Deklination. Das urgermanische Verb erbte vom Indoeuropäischen die grammatischen Kategorien der Person, des Numerus, des Tempus, des Genera verbi und des Modus. In dieser Zeit ist die �schwache� und �starke� Konjugation der Verben herausgebildet. Pronomen. Adjektiv Das Gemeingermanisch als eine flektierende Sprache bewahrte die wesentlichen Züge der ide. Morphologie. Das phonologische System des Gemeingermanischen ist ähnlich dem phonologischen System des Indoeuropäischen. 1. Die erste oder germanische Lautverschiebung (das Grimmsche Gesetz) ist ein Wandel im Konsonantensystem, der hatte sich im Urgermanischen vermutlich im Zeitraum von 2000�1000 v. Z. vollzogen. Unter dem Terminus “Verschiebung” verstand J. Grimm die teilweise Veränderung der Artikulationsstelle der indoeuropäischen stimmlosen und stimmhaften Konsonanten (Explosivlaute). Man unterscheidet drei Akte in der I. germanischen Lautverschiebung: 1. Die ide stimmlosen Explosivlaute p, t, k wurden im Urgermanischen zu stimmlosen Frikativlauten f, p, h: 2. Die ide. stimmhaften Explosivlaute b, d, g wurden im Urgermanischen zu stimmlosen Verschlußlauten p, t, k: 3. stimmhaften behauchten Explosivlaute bh, dh, gh wurden im Urgermanischen zu stimmlosen unbehauchten Frikativlauten b, d, g oder zu stimmhaften unbehauchten Explosivlauten b, d, g Die ide. stimmlosen Explosivlaute p, t, k wurden zu stimmlosen f, Þ, h, nur wenn der Wortakzent unmittelbar auf dem Vokal vor diesen Explosivlauten lag: Diese Gesetzmäßigkeit formulierte 1der dänische Gelehrte Karl Verner und sie wird das Vernersche Gesetz genannt. So kam Karl Verner zu der Schlußfolgerung, dass während der I. Lautverschiebung der Wortakzent im Urgermanischen noch frei war. 3. Der grammatische Wechsel. Da der Akzent im Indoeuropäischen und im frühesten Urgermanisch frei, beweglich war, lag er (der Wortakzent) bald auf dem Wurzelmorphem, bald auf dem Flexionsmorphem bzw. auf dem affixalen Morphem. Dadurch entstand der sog. grammatische (Konsonanten) �Wechsel, d. der Wechsel stimmloser und stimmhafter Frikativlaute f, Þ, h, s / b, d, g, z. Die ahd Periode wird von dem Beginn der schriftlichen Überlieferungen begonnen. Sie dauert von 770 bis zur Mitte des 11. Jh. Das Althochdeutsche war keine einheitliche Sprache, sondern die Bezeichnung für eine Gruppe westgermanischer Dialekte, die südlich von Düsseldorf gesprochen wurden. Diese Dialekte unterscheiden sich von den anderen westgermanischen Sprachen oder Dialekten durch die Durchführung der Zweiten (oder Hochdeutschen) Lautverschiebung. Mit dem 6. beginnt die Frühgeschichte der deutschen Sprache. Vorausgegangen war im 3. und 4. die Integration der westgermanischen Einzelstämme zu großen Stammesverbänden. Alemannisch. Das Herzogtum Schwaben im Südwesten des Reiches erstreckte sich über das Territorium des heutigen Baden-Württemberg, über den heutigen deutschsprachigen Teil der Schweiz und seit 925 über den Hauptteil des Elsaß. Bairisch. Das Herzogtum Bayern im Südosten (östlich des Lechs (Nebenfluß der Donau) erstreckte sich über den größten Teil des heutigen Bayern und über das heutige Österreich. Sein Territorialdialekt heißt Bairisch. Bairisch und Alemannisch bilden den Grundstock der oberdeutschen Dialekte. Fränkisch. Der fränkische Dialekt wurde in den Herzogtümern Franken und Lothringen gesprochen. Es erstreckte sich über die heutigen westdeutschen Länder Rheinland-Pfalz, Hessen, die Landschaft Franken im Nordwesten Bayerns und grenzte im Norden und Nordwesten an das Herzogtum Lothringen. Zum Oberdeutschen zählt man die fränkischen Mundarten, die an der fränkisch-schwäbischen und an der fränkisch-bayrischen Grenze liegen, und nämlich Südfränkisch und Ostfränkisch. Zur mitteldeutschen Dialektgruppe gehören das Rheinfränkische in der Pfalz (Mainz, Frankfurt, Worms, Speier) und das Mittelfränkische (Koblenz, Trier, Luxemburg, Saargebiet, Köln, Aachen). Zur niederdeutschen Dialektgruppe gehört das Niederfränkische im Raum von Kleve (heute an der deutsch-niederländischen Grenze im Land Nordrhein-Westfalen), im ganzen Nordosten des Herzogtums Lothringen (das heutige Nieder – und Mittelbelgien: Flandern und Brabant) und im östlichen Teil des Herzogtums (in den heutigen Niederlanden). Sächsisch. Das Herzogtum Sachsen im Norden des Reiches erstreckte sich von der Elbe bis zur Ems über das Territorium des heutigen Schleswig-Holstein, Niedersachsen, über den westlichen Teil Sachsen-Anhalts, südwärts bis zum Harz. Da Sachsen erst am Anfang des 9. nach den Sachsenkriegen Karls des Großen (772�804) dem Frankenreich angegliedert war, bewahrte das Altsächsische am Anfang der schriftlichen Überlieferung noch die Stellung einer selbständigen altgermanischen Sprache. Die Annäherung des Altsächsischen an das Althochdeutsche begann bereits im 9. Sie vollzog sich unter dem Einfluss des fränkischen Dialekts. Infolge der Konsolidierung der deutschen Nationalität entwickelte sich das Altsächsische immer mehr zu einem Territorialdialekt der deutschen Sprache und bildete den Grundstock des Niederdeutschen. Thüringisch. Im nordöstlichen Mittelraum zwischen den Herzogtümern Franken und Sachsen wurde der thüringische Dialekt gesprochen. Er gehörte zur mitteldeutschen Dialektgruppe. In den althochdeutschen Handschriften werden die beiden e-Laute meistens nicht unterschieden. Neben der Schreibung e sind für beide Phoneme auch die Schreibung ae anzutreffen, z. aerdha ‘Erde’, aerbio ‘Erbe’. Die Länge der Vokalphoneme wurde manchmal durch Verdoppelung, z. gitaan ‘getan’, leeran ‘lehren’, durch den Zirkumflex oder den Akut, z. gitân, lerân; gitán, lerán wiedergegeben. Althochdeutsche Monophthongierung. Bei der Monophthongierung und der Diphthongierung handelt es sich ebenfalls um qualitative Veränderungen der Stammsilbenvokale. Die Monophthongierung des germ. ai, ahd. meist schon ei, zu langem ê ist auf wenige Fälle beschränkt, ei wird im Ahd. nur dann zu ê, wenn h, r oder w folgt: au/ou zu ô. Germ. au, ahd. meist ou, wird vor den Dentalen d, t, s, z, l, n, r und germ. h zu ô monophthongiert. Die Diphthongierung erfolgt nur in Stammsilben, also in hochtonigen Silben, die Nebensilben behalten die alten Monophthonge (got. salbôda, ahd. salbôta ‘salbte’). Umlaut. Der Umlaut beruht auf Assimilation. Durch i oder j der Folgesilbe erfolgt eine Palatalisierung des Stammsilbenvokals. Umlaut erfolgt vor i oder j und erfaßt sämtliche dunklen Vokale (a, o, u), in ahd. Zeit jedoch nur das kurze a. Alle anderen umgelauteten Vokale werden erst in mhd. Denkmälern faßbar. 3. zwischen dem a-Vokal der Stammsilbe und dem i oder j der Folgesilbe Konsonanten standen, die der Palatalisierung entgegenwirkten. b) Obd. Umlauthinderungen. Außer den gesamtahd. Umlauthinderungen hatte das Obd. noch eine Reihe weiterer Umlauthinderungen aufzuweisen. Der Umlaut trat nicht ein, wenn auf die Stammsilbe folgende Konsonanten bzw. Konsonantenverbindungen folgten: Vokalharmonie (sog. Brechung). Es handelt sich jeweils um Veränderungen der Stammsilbenvokale unter dem Einfluß der Vokale der nachfolgenden Silben, also um eine regressive Assimilation, die wahrscheinlich durch den germ. Anfangsakzent beeinflußt wurde. Bereits in vorliterarischer Zeit wurde das i zu � gesenkt, wenn in der Folgesilbe die Vokale a, e oder o standen: Vor nachfolgenden i, j, u oder Nasal + Konsonant bleibt u aber erhalten (kuri ‘Prüfung’, sunu ‘Sohn’, zunga, gibuntan ‘Zunge, gebunden’). Nasalschwund mit Ersatzdehnung. Schon im Germanischen � wie auch später � ist in manchen Verbindungen, besonders vor Reibelauten, der Nasal geschwunden. Die für den Nasal gebrauchte Energie bleibt jedoch erhalten, indem der vorangehende Vokal zunächst nasalisiert und dann gedehnt wird, daher �Ersatzdehnung�: Die zahlreichen Abstufungen der zweiten Lautverschiebung von Süden nach Norden erschweren eine Gesamtdarstellung des althochdeutschen Konsonantensystems. Hier wird der Konsonantenstand des Ostfränkischen gegeben, der dem Konsonantenstand der Literatursprache am nächsten steht. Die zweite Lautverschiebung. Die ahd Lautverschiebung betrifft zwei Gruppen von Konsonanten – stimmlose Explosivlaute p / t / k und stimmhafte Explosivlaute b / d / g. Die Umwandlung der hochdeutschen Territorialdialekte begann im 5-6 Jh im Bairischen und Alemannischen und erfasste später auch das Fränkische (8-12 Jh). Diese Lautverschiebung, besser: Lautverschiebungen, fanden nicht in allen Gebieten mit gleicher Ausprägung statt, so dass sich die Stammessprachen zwar gemeinsam weiter – dennoch aber auseinanderentwickelten. a) Spirantisierung der germ. p /t / k (stimmlose Explosivlaute wurden in Spiranten oder Affrikaten verschoben. Im Anlaut, inlautend und auslautend nach einem Konsonanten wurden p /t / k zu den Affrikaten pf / z / kch Die stimmhaften Explosivlaute wurden zu p / t / k verschoben. Diese Verschiebung war nur dem Bairischen und Alemannischen eigen. Es geht nicht nur um den Verlust der Stimmhaftigkeit, sondern in erster Linie um die Schwächung, um die Minderung der Muskelspannung bei der Aussprache (Lenierung). Diese Konsonantenverschiebung ist die tiefgreifendste Veränderung in der Geschichte der deutschen Sprache. Sie führt zu der Herausbildung der verschiedenen Mundarten des Deutschen. Unter westgerm. Gemination versteht man die Verdoppelung eines Konsonanten durch unmittelbar folgendes j, seltener auch durch w, r, l, n, m. Von der Gemination durch folgendes j sind alle einfachen Konsonanten (außer r) betroffen, wenn ihnen ein kurzer Vokal vorausgeht: Die Gemination vor w, r, l, n, m ist viel seltener als die j-Gemination. Es seien daher hier nur einige wenige Beispiele genannt. Vor r und l können die germ. Verschlußlaute p, t, k verdoppelt werden, z. B. Gemination durch Assimilation. Bereits im Urgerm. gibt es eine große Anzahl von Doppelkonsonanten; besonders häufig sind ll, mm, nn und ss. Diese Geminaten werden meist als vorhistorische Assimilation erklärt, ln > ll, nw > nn. Gemination durch Vokalausfall. Bisweilen sind Doppelkonsonanten durch den Ausfall eines Vokals zwischen zwei gleichen Konsonanten entstanden: Gemination durch die ahd. Lautverschiebung. In der ahd. Lautverschiebung sind aus den inlautenden p, t, k die Doppelfrikative ff, zz, hh geworden (s. tabellarische Übersicht oben). Vereinfachung der Gemination. In vielen Fällen ist geregelte Vereinfachung der Gemination anzutreffen, und zwar im Auslaut der Wörter, z. : swimman – swam, kunnan – kan, und vor Konsonanten, z. : brennan – branta, kussen – kusta. Diese Vereinfachung erfolgte deshalb, weil der zweite Teil der Geminaten keine neue Silbe zu eröffnen hatte. Das Althochdeutsche kennt zwei synthetische Tempora, das Präsens und das Präteritum. Die Modi des Ahd. Verbs sind Indikativ, Konjunktiv und Imperativ. Die Numeri des Ahd. sind Singular und Plural, die Genera sind das synthetisch gebildete Aktiv und das umschriebene Passiv, das jedoch noch nicht vollständig ausgebildet ist. Die ahd. Verben werden nach Jakob Grimm in zwei Klassen eingeteilt, die Klassen der starken und der schwachen Verben. Die schwachen Verben sind eine �germanische Neubildung�. Sie sind durch Ableitungen von starken Verben, Adjektiven und Substantiven entstanden. Sie werden nach ihren germanischen Ableitungssuffixen in drei Klassen unterteilt: die -jan-, -ôn- und -ên- Verben. Das Ahd. kennt die synthetisch gebildeten Tempora Präsens und Präteritum, die schon die Tempora des Germanischen waren. Die zusammengesetzten Zeiten entwickeln sich in ahd. Zeit erst ganz allmählich. Die Entwicklung der umschriebenen Zeitformen wird zum großen Teil durch die Sprachstruktur des Lateinischen beeinflußt. Indikativ Präsens. Der Indikativ des Präsens kann im Ahd. sowohl die Gegenwart bezeichnen als auch die Zukunft, er kann auch ohne Zeitbezug auftreten: Tho antuurtanti der heilant in quad iru giuuelih de dar trinkit fon uuazzare thesemo thurstit inan abur de dar trinkit fon thesemo uuazzare thaz ih gibu ni thurstit zi euuidu… Dieses Beispiel verdeutlicht, dass die einfache Präsensform Gegenwarts – und Zukunftsbedeutung haben kann. Indikativ Präteritum. Die einfache Imperfektform kann alle Stufen der Vergangenheit ausdrücken. Der ahd. Sprecher bzw. Schreiber wusste wahrscheinlich aufgrund des Zusammenhangs, in dem die Imperfektform auftrat, welche Stufe der Vergangenheit sie bezeichnete: quam tho uuib fon samariu sceffen uuazzar. Tho quad iru der heilant gib mir trinkan sine iungoron giengun in burg thaz sie muos couftin Der Gebrauch des Konjunktivs. Mit dem Konjunktiv können im Ahd. �Zweifel, Unsicherheit, Vermutung, Wunsch [und] irreales Geschehen� ausgedrückt werden. Der Konjunktiv bezeichnet demnach den Modus und nicht das Tempus einer Verbalform. Insofern gehört der Konjunktiv eigentlich nicht in den Themenbereich Tempus. Zusammengesetzte Formen. Die zusammengesetzten Tempusformen des Perfekts, Plusquamperfekts und des Futurs beginnen sich im Ahd. erst allmählich zu entwickeln. Eggers stellt die Entstehung der Perfektformen mit wesan an einem Beispiel aus der ahd. Isidorübersetzung (8. ) dar. Im 8. hatte das Ahd. noch keine festgelegten Perfektformen herausgebildet. Trotzdem treten im Isidortext Formen wie �ist quhoman� auf. Das Partizip hat hier also weniger die Funktion einer Verbform, sondern vielmehr die Funktion eines �Prädikatsnomens�. Daß das Partizip in zusammengesetzten Formen noch anders empfunden wurde als im Neuhochdeutschen, zeigt sich auch daran, dass es oft flektiert auftritt. Um zukünftiges Geschehen zu bezeichnen, treten anstatt der Präsensformen selten auch Umschreibungen des Futurs mit den Verben sculan ‘sollen’ und wellen ‘wollen’ auf. Belege der Zukunftsbezeichnungen durch sculan kommen bereits im Isidor vor: er sculut bichennen (cognoscetis) �ihr sollt (werdet) erkennen�. Eggers vermutet hier, daß �diese Entwicklung [… ] durch das Vorkommen der lateinischen Futurpartizipien [… ] veranlaßt sein� könnte, für die der Übersetzer nach einer passenden Übersetzungsmöglichkeit suchte. Das System der zusammengesetzten Tempusformen ist im Ahd.. mit diesen Ansätzen noch keinesfalls vollständig ausgebildet. Erst im späten Mittelalter gelangt es zu der �systematischen Ausgewogenheit�, die das Neuhochdeutsche kennt.

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